Filmreihe in der Kinemathek: Rechtsradikale Realitäten in Deutschland

Aus den NSU-Morden wollte man Lehren ziehen, mehrere Untersuchungsausschüsse haben die Ermittlungsprozesse selbst unter die Lupe genommen, jeder Anschein von Vertuschung oder Verharmlosung von staatlicher Seite aus sollte im Keim erstickt werden, das Signal: Rechtsterrorismus hat bei uns keinen Platz.

Dennoch: Dass dies mehr als zehn Jahre nach den NSU-Morden immer wieder betont werden muss, ist skandalös. Und das muss es, denn vieles hat sich eben doch nicht geändert:

In allen Parlamenten sitzt eine in Teilen rechtspopulistische, in Teilen rechtsextreme Partei, die auch personelle und ideologische Berührungspunkte mit der gewaltbereiten rechtsradikalen Szene hat.
Mit dem Mord an Walter Lübcke gab es den ersten rechtsextremen Mord an einem Politiker seit 1945 zu vermelden. Im Oktober versuchte ein Rechtsextremist, einen Massenmord an jüdischen Mitbürger*innen zu begehen. In Deutschland. Der SPIEGEL widmete eine seiner Titelstorys und deckte eine entsetzlich enge Vernetzung zwischen Rechtsterroristen auf.

Es gibt es im Schnitt täglich mehrere gewalttätige Übergriffe auf Geflüchtete und Wohnungslose, rassistische, homophobe, transphobe sowie antisemitische Angriffe auf deutschen Straßen, in deutschen Städten.

Deshalb wird sich die Kinemathek Karlsruhe gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg in einem großen Kino-, Ausstellungs-und Diskursprogramm der Geschichte und Gegenwart der rechtsradikalen Gewalt in Deutschland widmen. Die Reihe mit dem sperrigen, aber wunderbar klugen Titel „Gemeinsam gewollte Gesamtkonzeption: Rechtsradikale Realitäten in Deutschland“ findet bis Februar 2020 statt.

Die Reihe wird unterstützt vom Karlsruher Netzwerk gegen Rechts. Wir als Grüne Karlsruhe betreuen zwei der Vorführungen und werden dort ein kurzes Grußwort sprechen. Dies sind folgende Filme:

  • am 15.12.19 um 17 Uhr: „Wir sind jung, wir sind stark“
  • am 12.01.19 um 17 Uhr: „Der blinde Fleck“

„Wir sind jung, wir sind stark“ thematisiert die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen 1992 und nimmt dabei die Täter*innen den Blick. Mehr… 

In der „Der blinde Fleck“ geht es um die Ermittlungen im Zuge der Oktoberfestattentate 1980. Erst die Recherchen des Journalisten Ulrich Chaussy fördern Ungereimtheiten zutage. Mehr…

Hier geht es zur gesamten Reihe: kinemathek-karlsruhe.de/programm-rubrik-info.php?id=4097

Wir freuen uns darauf, Euch beim ein oder anderen Film in der Kinemathek zu sehen!