Ausbruch aus dem Patriarchat: Von Karlsruhe bisnach Juchitán

Voller Saal im Kulturhaus Mikado; Foto: Kellya Clanzig, OV Nordstadt

Was können wir von einer „Stadt der Frauen“ lernen? Vergangenen Oktober lud der Ortsverband Nordstadt zu einer besonderen Lesung ein, der den Status Quo hinterfragte. Mit der Autorin Friederike Oertel und Dr. Ute Leidig MdL diskutierten wir im Kulturhaus Mikado über feministische Utopien und den harten Kampf gegen alltägliche Grenzüberschreitungen.

Dr. Ute Leidig MdL; Foto: Kellya Clanzig, OV Nordstadt

Ein Abend im Zeichen feministischer Perspektiven
Unsere Landtagsabgeordnete und Direktkandidatin für Karlsruhe Ost, Dr. Ute Leidig, eröffnete die Veranstaltung und führte als Moderatorin durch das Programm. Dabei schlug sie die Brücke zwischen lokaler Politik und der globalen Suche nach Geschlechtergerechtigkeit.


Widerstand auf dem Asphalt: Catcalls of Karlsruhe
Bevor der Blick in die Ferne schweifte, machten Marisa und Anna von „Catcalls of Karlsruhe“ (@catcallsofka) deutlich, warum feministischer Aktivismus hier und heute so notwendig ist. Sie berichteten von ihrer Arbeit gegen sexuelle Belästigung: Indem sie die Geschichten von Betroffenen sammeln und die übergriffigen Sprüche dort „ankreiden“, wo sie gefallen sind, fordern sie das Recht auf weibliche Selbstbestimmung im
öffentlichen Raum ein. Ein kraftvoller Beitrag, der die Realität des Patriarchats direkt vor unserer Haustür sichtbar machte.

Autorin Friederike Oertel; Foto: Kellya Clanzig, OV Nordstadt

Die Stadt der Frauen: Lesung aus „Urlaub vom Patriarchat“
Im Hauptteil des Abends entführte uns Friederike Oertel nach Juchitán, Mexiko. Ihr Buch „Urlaub vom Patriarchat“ ist mehr als ein Reisebericht – es ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Frausein.

In Juchitán erlebte die Autorin eine Gesellschaft, die als eines der letzten Matriarchate der Welt gilt: Frauen sind die Oberhäupter der Familien, Erbe wird in weiblicher Linie weitergegeben, und die Akzeptanz der Muxe (eines dritten Geschlechts) gehört zur gesellschaftlichen Normalität. Friederike Oertel las Passagen, die die flirrenden Farben Mexikos lebendig werden ließen, ohne dabei die Komplexität auszusparen. Sie teilte ihre Selbstzweifel und Widersprüche und regte das Publikum dazu an, die eigenen Rollenerwartungen neu zu
betrachten. Die anschließende Diskussion zeigte, wie sehr die Sehnsucht nach echten Alternativen zum patriarchalen Alltag viele Frauen (und Männer) bewegt.

v.l.n.r.: Axel Widder, Andreas Mössinger, Julia von Oertzen, Iris Sardarabady, Dr. Ute
Leidig, Friederike Oertle, Jonas Heinrich und Kellya Clanzig; Foto: Kellya Clanzig, OV Nordstadt

Ein inspirierender Austausch
Wir bedanken uns herzlich bei Friederike Oertel für die tiefgreifenden Einblicke, bei Marisa und Anna für ihren unermüdlichen Aktivismus und bei Dr. Ute Leidig für die impulsgebende Moderation. Dieser Abend hat uns viele Inspirationen und neue Perspektiven für unsere politische Arbeit vor Ort mitgegeben.